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thomas n. burg - on social media and its benefits for us, and sometimes gossip.

Networking - webconsulting revisited

Mar. 2004

Individual Knowledgemanagement

Im März 2004 geistert eine kleine Schlagzeile durch das Web: Das Web-Team von Howard Dean hat sich selbständig gemacht. Die Tatsache, dass sich das IT/Web-Entwicklungsteam des vormaligen demokratischen US-amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Howard Dean
selbstständig gemacht hat ist insofern interessant, als die Kampagne politische Geschichte geschrieben hat und den Einsatz von IT in der Politik grundlegend verändert Ein Bild namens WebpageNet.gif hat. Niemals zuvor hat der Einsatz von Weblogs (s.u.) und Social Software auf so einfache
und überzeugende Weise Gruppen von Menschen formiert und Spenden akquiriert.

Was kann man daraus lernen? Das Web ist nicht nur DistributionsTool, sondern vielmehr noch ein Ort, der die Bildung von Arbeits-/Experten-Gemeinschaften (Communites of Practice) unterstützt. Gruppen, die Information, Vertrauen und damit Wissen generieren. Diese Erfahrungen in den unternehmerischen Alltag runterzubrechen ist der vielversprechendste Ansatz in aktuellen Diskussionen über neue Formen des Wissensmanagement und der Steigerung bzw. der Visualisierung des intellectual capital eines Unternehmens nach aussen und innen. Instrumente, die die Netzwerkcharakteristik menschlicher Kommunikation und technischer Vertriebswege abbilden, repräsentieren die derzeit spannendsten Entwicklungen im unternehmerischen Umfeld.

Nach dem Platzen der Internet-Blase vor einigen Jahren und dem nachfolgenden Konsolidierungen und sonstigen Depressionen taucht am Horizont ein neue Hoffnung auf. Es sind nicht mehr Websites und nicht klassische Intranets, die einen neuen Enthusiasmus und neue Hoffnung schaffen. Etwas neues ist angekommen, etwas, das Webpublishing zurück zu
den ursprünglichen Intentionen des Internets zurückführt: Das bidirektionale Web. Es geht dabei nicht um eine Neuauflage des Broadcasting-Modells (One-To-Many), sondern darum aus Konsumenten Produzenten von Inhalten zu machen.
Was meint das oder anders formuliert, wo liegt hier die Bedeutung für den Business Kontext. Um gleich zur Sache zu kommen; es geht darum Webpublishing oder Personal Publishing in die Hände derer zu legen, die einen wertvollen Beitrag für sich und ‘ihr’ Unternehmen liefern können.
Wir hatten und haben Knowledge-Management-Systeme, die vermittels ausgeklügelter Taxonomien und Ontologien das Wissen der Mitarbeiter um den Preis der De-Kontextualisierung archivierbar und greifbar machen wollten. Auf der anderen Seite haben und hatten wir Conten-Management-Systeme, die die Verwaltung und das Verfassen von Inhalten automatisierten, von den Funktionalitäten und dem Design trennten und mittels komplexer Workflows Prozesse und damit Informationsströme regulierten.
Seit wenigen Jahren beobachten wir nun eine Entwicklung, die an den beiden letztgenannten Enden ansetzt und eine bedeutsame Neuformulierung vornimmt. Das Unterfagen war anfangs nicht fokussiert, gewinnt aber letztlich doch eine auffallende Bodenhaftung, die es ermöglicht auf kurvenreichen Strecken die überkommenen Systeme und allen voran Konzepte zu überholen.
Wovon ist nun die Rede? Ich spreche von Weblogs. Weblogs sind stark vereinfachte Content-Management-Systemen bzw. Knowledge-Management-Systeme. Ihr besonderer Wert liegt zunächst in der Vereinfachung von Prozessen, von Publishing-Prozessen. D.h. die Barrieren aktiv Inhalte zu generieren sind stark reduziert. Dies gilt naturgemäß für den gesamten Bereich des Webpublishings, nach innen wie nach außen.
Neben dieser, wenn man so will instrumentellen Innovation gilt es noch und zwar in besonderem Ausmaß die Kultur, das Format, das Ethos, welches hinter Blogs (=Kurzform von Weblogs) steht zu erkennen.
Im Kern steht eine Individualisierung der Produktivkräfte sowie die Dezentralisierung der Produktionsstätten. An die Stelle zentraler Kontrolle tritt die Unterstützung dezentraler Kreativität und Kommunikation. Kein leichtes Unterfangen für Command-and-Control Strukturen. Der Weg dorthin führt über Personal Knowledge Management Systeme, die die Person und ihren Horizont in den Vordergrund stellen.
Weblog ist die derzeit aktuellste Metapher dafür. Die Unterstützung seitens eines Unternehmens für die Mitarbeiterinnen - i.R. Knowledge Worker - ist der aktuellste Trend competitive intelligence zu fördern.

Was ist ein Weblog? Ein für die Benutzerin extrem einfaches, wenngleich hochtechnisiertes Content-Management-System und v.a. ein Format, dass auf Basis einer chronologischen Ordnung und Archivierung eine dynamische Schaffung von Wissen und Information erlaubt, ähnlich einem Log- oder Tagebuch. Daher kommt auch das zusammengesetzte Wort “Weblog”. Ein dritter ganz wesentlicher Aspekt ist die Netzwerk-Bildung, die vermittels technischer Mittel (automatische Subskriptionsmethoden von Weblogs untereinander) erreicht wird. Externe und interne Informationen fließen ohne durch Gatekeeper aufgehalten zu werden durch das Unternehmen. Ein v.a. kommunikativer Fortschritt, der nur mittels permanenter Meetings erreichbar, aber jedenfalls nicht finanzierbar ist.

Weblogs förden und generieren aktuelle Erkenntnisse aus dem Feld unternehmerischen Kommunikation und zwar intern wie extern. Wenn Märkte Gespräche sind (nach dem bekannten Cluetrain Manifesto), dann sind Weblogs die nachhaltigsten Instrumente dafür, abseits von Face-to-Face Konversationen natürlich.

Weblogs als Knowledge-Management-Lösung

Weblogs werden zunehmend als eine IT-Lösung und ein Kommunikationsformat für Knowledge Worker in Unternehmen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie NGOs wahrgenommen. Es sind Instrumente zur effizienten Speicherung, Organisation und Kreation von Informationen und Wissen. Da Wissen immer kontextabhängig ist erscheint die Praxis des quasi ent-kontextualisierten Wissensmanagements als problematisch. Zudem gilt es die Differenz und Gleichzeitigkeit von persönlichem und organisationaleM Wissen zu beachten. Weblogs als persönliche Publikationslösungen können als ein Weg der Verknüpfung beider Wissensformen implementiert werden.
Werden Weblogs als Knowledge-Management Lösung zum Einsatz gebracht, können folgenden Business Probleme hinsichtlich interner und externer Kommunikation angegangen werden.
Ad interner Kommunikation:
Aufbau eines Intranets, welches abseits von Dateisystemen und Taxonomien den Mitarbeitern eine Stimme gibt. Auf diesem Weg wird Wissen und Erfahrung kontextualisiert und für andere nachvollziehbar gemacht. Ein weblogbasiertes Intranet bringt Konversation in eine Unternehmen, Gespräche die den Erfahrungsaustausch ermöglichen bzw. beschleunigen.
Das bedeutet gleichzeitig die Erhöhung von business intelligence, da Informationen netzwerkbasiert und auf Gesprächsbasis durch das Unternehmen fließen. Damit gehen automatisch Kostenoptimierungen einher.
Das im selben Augenblick persönliche Ablagen - Archive - angelegt werden, ist ein unschätzbares Asset in Zeiten fluktuierender Mitarbeiter.
Das Weblogs den Miterbeitern eines Unternehmens ein Forum für persönliche Lern- und Entwicklungsprozesse sind, kann ein zentrales Incentive sein, Schlagwort: Personal Growth. Weblogs können als persönliche Tools zur Aggregierung von Erfahrungen und Wissen verstanden werden, damit erhält jeder Mitarbeiter die Möglichkeit über Zeit Kompetenz zu signalisieren und so seinen persönlichen Wert zu steigern.
Unternehmen werden künftig ihren MitarbeiterInnen diese Möglichkeit anbieten, wissend, dass ein wertvoller Mitarbeiter nicht für immer an das Unternehmen gebunden werden kann, muss diesem die Möglichkeit geboten werden, sein Wissen an seine Person zu binden und dieses auch explizit zu machen. Weblogs werden die sich beständig aktualisierende Visitenkarte der neuen Knowledge Worker, das Wissen gehört ihnen und wird auf Kontraktbasis in Unternehmen eingebracht.

Wiewohl eines festzuhalten gilt, der alte Spruch: “Build it and they will come” hat längst ausgedient. Das Web hat uns nachdrücklich gelehrt, dass die Moderation v.a. sozialer Prozesse immer noch von Menschen gemacht werden muss: Facilitation heisst v.a. die Beteiligten zu motivieren und das ist selten technisch möglich, sondern in der conditio
humana verborgen und nur dort zu finden. Technologie hat nicht im Weg zustehen, sondern Prozesse zu erleichtern bzw. neue Wege aufzutun. Weblogs sind so ein neuer Weg.