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Lebensgeschichte(n) im Web – ein neues Publishing Format.
Posted By Thomas N. Burg On Sunday, October 7, 2007 @ 15:04 In randgaenge | Comments Disabled
Lifestories, gemeinhin versteht man darunter Lebensgeschichte(n), stellen den nächsten Schritt in der Evolution des Internet als neuer sozialer Publishing-Ort dar.
Das Netzwerk der dritten Generation
Mit Evolution im Speziellen wird der Weg des Internet vom simplen Broadcasting Modell, in Analogie zum Publishing-Modell der Massenmedien, über die Ermöglichung von Peer-To-Peer Transaktionsprozessen (Email oder Online-Shopping etwa) hin zu dem bezeichnet, was heute als Web 2.0 oder Social Media verstanden wird.
Diese dritte Evolutionsstufe bezieht ihren Wert und Nutzen aus dem Potential von möglichen, d.h. nicht zwingend vollständig realisierten oder genutzten, Vernetzungen innerhalb einer Gruppe. Was hier technisch klingt ist nichts anderes als die Beschreibung einer Foto-Sharing-Plattform wie beispielsweise Flickr.com. Diese besteht im Kern aus drei Elementen: dem User, der Community, dem Markt (s.a. Stowe Boyd [1] [PDF]). Nutzen wird auf allen drei Ebenen generiert. Mit diesem Muster ist im Kern die Realisierung des Netzwerkes der dritten Generation (s.a. David P. Reed [2]) beschrieben und nur wenn das gelingt, kann von einer erfolgreichen Social Media Anwendung gesprochen werden.

Erfolgskriterien für Social Media
Operationalisiert heisst das: Jede erfolgreiche Social Media Anwendungen muss zunächst einen persönlichen Nutzen schaffen (Verwaltung und Präsentation von Fotos im Falle von Flickr [3]), in einem zweiten Schritt erzeugt Flickr vermittels der Aggregation der Fotos und der Tags (Schlagworte) einen Nutzen für die Community der Nutzer, der Nutzen besteht v.a in der Organisation und Präsentation von Fotos sowie der Möglichkeit diese Fotos zu publishen oder zu syndizieren bzw. zu anderen Users in Verbindung (die Menge aller Freunde auf einer Plattform) zu treten . Auf einer dritten Ebene, der Marktebene, stiftet Flickr Nutzen indem es über die API (=Programmschnittstelle) Dritten die Möglickeit gibt bspw. Bezahlservices für Druckdienste anzubieten. Ein Beispiel für letztes wäre etwa Moo.com [4]. Yahoo, der Eigentümer von Flickr, nutzt die von der Community der User geschaffenen Fotos für die eigenen Travel-Dienste. Letztlich müssen der Marktnutzen nicht zwingend in Transaktionen münden, sondern kann sich auch auf der Ebene von informationen bewegen. Der Marktaspekt knüpft hier eng an den Community-Aspekt; die Community besteht aus meinen Bezieungen und der Markt macht es mir möglich darüber wichtige Objekte (Datenobjekte oder eben auch Personen) zu finden.
Nach diesem Muster gilt es nun das gerade aufkommen Muster der Lifestories zu untersuchen. Es stellen sich folgende Fragen, welche Services versteht man darunter, welchen Nutzen stiften sie auf den 3 Ebenen und was sind kritische Erfolgs-Kriterien aus heutiger Sicht.
Collective Personal Web-Publishing
Ende der 1990er Jahre etwa hat man mit Personal (Web)Publishing all die Techniken und Tools zusammengefaßt, die es – technisch avancierten – IndividualistInnen ermöglichten erstmals kostengünstig einer – potentiell – breiten Öffentlichkeit gegenüber publizistisch aufzutreten. Der Journalismus-Professor J.D. Lasica (USC Annenberg) definiert Personal Publishing [5] als eine durch Tools (web-based publishing Tools wie zBsp Weblogs) geschaffene Möglichkeit: „[...] for anyone to publish and report news.” Einer der wesentichen Neuerungen in unserem Medienkompedium war allerdings die Möglichkeit mit diesen Tools die klassische Dichotomie zwischen Massenmedium und Privatmedium aufzubrechen und einen dritten Modus zu unterstützen. Dieser dritte Modus wird auch Meso-Media (oder eben Social Media) bezeichnet. Gemeint ist damit eine Reichweite zwischen ganz privat und massenmedial mit zahlreichen Möglichkeiten der Many-to-Many-Kommunikation. Letzteres heisst Social Media bietet eine Vielzahl von Optionen wie Menschen mit einander via Publishing von Objekten (Text, Bild, Video, Hör-Profile, …) in Kontakt treten können. Der Konsument der Massenmedien kann zum Co-Produzenten der Sozialen Medien werden, muss aber nicht.
Mit dem Momentum der Social Media Bewegung wird das Web nun einerseits als ein Ort des gemeinschaftlichen Publizierens erkannt andererseits sehr wohl aber auch ein Ort der privaten multimedialen Produktion von Geschichte(n). Das Format Lifestories bedient beide Ausprägungen gleichermaßen und eine Reihe von – vorwiegend nordamerikanischen – Anwendungen bemüht sich um diesen Aspekt. Im deutschen Sprachraum gibt es zwei Player, die mit unterschiedlichem Ansatz an die Sache herangehen. Memoloop.de [6], Kölner Social-Community Startup, will “die Landkarte der gemeinsamen Erinnerungen” abbilden. Während einestages.de [7] (ein Spiegel-Projekt) versucht die Materialsammlung outzusourcen, sich allerdings die redaktionelle Kontrolle vorbehält. Ziele ist es „die Leser zu Partnern in einem neuen und einmaligen Projekt: dem Aufbau eines kollektiven Gedächtnisses unserer Geschichte” zu machen.
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Relevant sind die Anwendungen, deren Nutzen darin besteht, die Komplexität verfügbarer (Multimedia) Publishing Plattformen – Weblogs, Video, Foto, Dateien, Speicher – zu vereinfachen und an einer Stelle zu bündeln. „Crossing the Chasm [11]” könnte man diese Entwicklung – um mit Geoffrey Moore zu sprechen – nennen. Zielgruppe sind nicht mehr die Early Adopters, die täglich neue Accounts bei neuen Publishing-Services anlegen, sondern eine breite Zielgruppe an Menschen, die ihre Lebensgeschichte bzw. Elemente (Schule, Jugend, etc.) davon im digitalen (web-basierten) Appliktionen erzählen/publizieren. Zielgruppe dieses Personal Publishing ist in erster Linie die Familie; es geht bei diesen Publishing-Prozessen um die Verknüpfung verschiedener Medienformate sowie der nachhaltigen Datenspeicherung und Authentifizierung. Im Schatten von Facebook [12] entwickelt sich dieser Typus, der ausgehend vom persönlichen multimedialen Geschichtenerzählen in einem nächsten Schritt die Möglichkeiten des Netzwerkes zur Geltung bringt.
Bausteine von Lifestory-Plattformen
Modellhaft läßt sich diese neue Form anhand der Plattformen Storyofmylife [13] und dandelife.com [14] darstellen. Folgende Publishing-Services werden unterstützt.
- Tagebuch
- Geschichten (Kapitel)
- Profile zur Selbstdarstellung
- Datei-Management (Audio, Video, Bild, Dokumente)
- Langfristige Verfügbarkeit der Daten
- Genealogie
- Rechteverwaltung
- Netzwerk-Bildung über geteilte Objekte (Name, Ort, Interesse)
- Gruppenbildung auf Interessen-Basis
Das Leitbild von StoryOfMyLife.com ist “Story of My Life and its Foundation have an ambitious goal: to collect the life Story of every person who has walked the face of this earth – in the past, the present and our futures; and to keep these Stories preserved and accessible forever.†Ein hochtrabendes Ziel, welches wenn man an das Web 2.0 Motto, dass die Daten das wichtigste Gut sind, denkt geschäftlich Sinn macht und von vielen angestrebt wird. Allerdings – kundenseitig besteht Grund zur Vorsicht und Skepsis – wenn ich erstmals meine Lebensgesichte multimedial hinterlegt habe, und von Export-Möglichkeiten ist derzeit nicht die Rede, dann fällt es mir schwer den Service-Anbieter zu wechseln. Die Stiftung die oben angesprochen wird, dient dazu Vertauen und Sicherheit in die Verfügbarkeit und Redlichkeit des Services aufzubauen.
Einen weitergehenden Schritt in Richtung der Nutzung von Netzwerk-Effekten unternimmt etwa dandelife.com. Deren Motto – „a social biography network” läßt klar erkennen, worum es geht: Ereignisse werden kollektiv erzählt und schreiben so quasi eine „Geschichte von unten”. Auf einer technischen Ebene ist dandelife ein Mashup insofern es Daten/Objekte, die auf anderen Plattformen wie etwa Flickr liegen an einer Stelle sammelt und mit den Daten anderer Personen verknüpft. Gut ersichtlich in Form der Timeline.
Eine Reihe von Publishing Anwendungen versucht Normalverbraucher zum publishen/erzählen anzuregen. Im Spannungsfeld der eigenen Erzählung und dem Kollektiven Erzählen versuchen diese neuen Publishing Tools neuen Dimensionen des vernetzen Erlebens zu unterstützen. Das Web entwickelt damit eine eigene Formensprache, die allein technisch davor nicht mögllich war. Die Timeline stellt eine der attraktivsten Publishing-Formate dar, unten beispielsweise von OurStory.com [15]. Diese Timelines stehen häufig als ein Widget zur Verfügung und können in ander Webdienste eingebaut werden.
Erfolgreiches Format der Digitalisierung
Zusammenfassen lassen sich diese neuen Publishing-Formate auf den drei Nutzen-Ebenen beschreiben. Persönlicher Nutzen wird insofern gestiftet, als es eine Art One-Stop-Shop für die Verwaltung meiner multimedialen Daten zu meiner Lebensgeschichte gibt. Eine langristige Garantie über die Verfügbarkeit bietet das Fundament für eine fortlaufende Erzählung. Zudem lassen sich an Ort und Stellen die persönlichen Daten mit denen von Familien-Mitgliedern verknüpfen. Hier tritt dann alsbald der Community-Nutzen hinzu; gemeint ist damit die Vernetzung und die Entdeckung (auch im Sinne eines Marktes and Personen) von Geschichten und Personen zu Ereignissen, die man gemeinsam – oder zuminest auf der sleben Zeitachse – erlebt hat.
Der springende Punkt letztlich, sollten diese beiden Nutzenebenen plausibel sein, ist die Frage nach den Geschäftsmodellen. Wie läßt sich ein Service dieser Art finanzieren. Die existierenden Geschäftsmodelle [16] muten noch seltsam an, so versteht sich dandelife.com als eine Art Broker, der Nutzerprofile und -geschichten an Unternehmen verkaufen will. OurStory.com will via Opt-In Profile für Studienzwecke verkaufen. Kontextualisierte und zielgruppengenaue Werbung gehören zu Mix, sowie Premium-Accounts. In jedem Fall sind Druckereien/Dienstleister an solche Services angeknüpft, Lebensgeschichten können so in gedruckter Form bzw. auf DVD auch offline zur Verfügung stehen.
In Summe werden die Lifestories-Services ein weiterer Schritt in der zunehmenden Digitalisierung unserer Gesellschaft sein; gelingen wird das dann, wenn tatsächlich nicht nur die Early Adopters, sondern die breite Masse das Bedürfnisse erkennt ihre Lebensgeschichte – und sei es nur für die Familie – online zu publishen.
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URLs in this post:
[1] Stowe Boyd: http://www.stoweboyd.com/message/files/building_social_applications.pdf
[2] David P. Reed: http://www.reed.com/Papers/GFN/reedslaw.html
[3] Flickr: http://flickr.com
[4] Moo.com: http://moo.com
[5] J.D. Lasica (USC Annenberg) definiert Personal Publishing: http://www.ojr.org/ojr/workplace/1060217106.php
[6] Memoloop.de: http://memoloop.de
[7] einestages.de: http://einestages.de
[8] Image: http://randgaenge.net/wp-content/uploads/dandelife_distance_edu2.gif
[9] Image: http://randgaenge.net/wp-content/uploads/hillaryclinton.gif
[10] Image: http://randgaenge.net/wp-content/uploads/dandelife_kellyabott.gif
[11] Crossing the Chasm: http://en.wikipedia.org/wiki/Crossing_the_Chasm
[12] Facebook: http://facebook.com
[13] Storyofmylife: http://storyofmylife.com/
[14] dandelife.com: http://dandelife.com
[15] OurStory.com: http://ourstory.com
[16] Geschäftsmodelle: http://www.techcrunch.com/2006/07/13/brand-your-life-story-with-dandelife/
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