WeblogDefinition für Wissensökologien
September 2003
Die neue Weblog-Technologie bietet ein probates Instrumentarium, das Informations -und Wissenserwerb und –vertrieb direkt vernetzt.
Weblogs sind ein Sammelbegriff für eine technologische und einen publizistische Lösung.
- Im ersteren Fall handelt es sich um benutzerfreundliche Content-Management-Systeme, die entweder server- oder desktopbasiert sind und in der Regel aus Datenbanken heraus statische Html-Seiten generieren; relevante Elemente sind darüber hinaus die Möglichkeit XML-Versionen der gerenderten Html-Seiten zu generieren, die via RSS austauschbar (syndizier- und abonnierbar) sind sowie die Verknüpfung einzelner Posts (oder Weblog-Einträge) mit permanenten Hyperlinks (=Permalink); diese Möglichkeit stellt die Basis der effizienten Vernetzungsleistung von Weblog-Ökologien dar.
- Als publizistische Lösung oder als Publishing-Format stellen Weblogs eine genuine Webentwicklung dar. Das Format lässt sich beschreiben als ein Annotationssystem, welches auf (im Web verfügbare) Inhalte kommentierend verweist oder genuinen Micro-Content schafft. Weblogs sind in der Regel besonders für die Abfassung und Publikation von kleinen Content-Einheiten geeignet. Dies entspricht auch dem Rezeptionsverhalten vor dem Bildschirm. Die auf solche Art generierten Post können über Hyperlinks direkt verfügbar gemacht werden. Im diesem Sinne stellen sie eine neue Spielart von soziotechnischem Kapital (Paul Resnick) dar, die geeignet erscheint manche Nachteile von vorgängiger Social Software (Email, messageboards, instant messaging, chat, …) komplementär auszugleichen. Diese damit einhergehenden Nachteile wie Geschlossenheit, Spam, keine Permalinks, keine Autorenschaft , die an einem POI (=Point of Entry) nachvollziehbar und damit demonstrierbar bleiben können mit dem Format Weblog ausgeglichen werden. Weblogs sind in besonderer Weise geeignet Autorenschaft über Zeit und Themen nachvollziehbar zu machen, damit stehen elementare Bausteine menschlicher Kommunikation zur Verfügung.
Weblogs leisten in diesem Sinne als individuelle wie als Gruppensoftware wesentliche Beiträge zur Incentivierung von Wissensgenerierung. Die primären Ordnungskriterien von Weblogs, Autorenschaft und Datumsstempel, garantieren eine sowohl zeitliche als auch individuelle Identifizierung der geschaffenen Inhalte. Der Paradigmenwechsel von der Webseite hin zur fundamentalen Einheit eines Weblogs, dem Post oder Eintrag, ermöglicht die direkte Ansprache von Micro-Contents. Auf diesem Weg kann eine Vernetzung (Verlinkung) punktuell und treffgenau erfolgen. Die grammatikalische Einheit dieser Struktur ist der Permalink (=permanente Link).
Damit ist es möglich eine dezentrale Gruppe von Autoren in einen gemeinsamen Prozess zu involvieren, der und das ist ein wesentliches Asset, punktuell einer breiteren Öffentlichkeit gegenüber publiziert werden kann.
Mithilfe der durch Weblog-Software möglichen Nutzung von XML-Daten wird es gelingen den Prozess der Wissensaggregation zu beschleunigen. Da Weblog-Systeme vorrangig Publishing-Systeme sind, wird aus ein und demselben Interface nicht nur Information, Wissen und Konversation verteilt und generiert, sondern in einem Parallel-Prozess ebendieses selektiv der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Diese so publizierten Informationen sind darüber hinaus nicht nur vorort (d.i. die konkrete Webadresse http://..) verfügbar, sondern können via XML (RSS) für jederman/jedefrau an jedem Ort der Welt verfügbar gemacht werden. Auf diesem Weg hält eine besondere Form von Netzwerkeffekt in das Expertennetzwerk und vor allem die indirekten Zielgruppen des Projekte Einzug. (Als Beispiel dieser Art von e-Science sei das Museumprojekt Türkenbeute genannt. In diesem Fall sind alle musealen Objekte via Dublin Core Metadaten erfasst und via RSS abonnierbar.) Dieses RSS-Distributionssystem ermöglicht es Daten (Bild, Text) weltweit direkt verfügbar, d.h. weiterverarbeitbar (in anderen webbasierten Systemen), zu machen.
Die Innovationsleistung liegt in der durch Weblog-Systeme und –formate möglichen Wendung der Experten (Wissensarbeiter) zu Autoren, die mittels hoher gegenseiter Vernetzung in kürzerer Zeit punktgenauer eine gegenseitigen Austausch von Wissen gestalten und diesen zum gegebenen Zeitpunkt einer breiteren Öffentlichkeit verfügbar machen.
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